Beileidschreiben: Wie Sie angemessen kondolieren

Beileid
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Ob schriftlich oder mündlich: Beim Beileid wünschen ist das schwierigste der Beginn. Zögern Sie das Kondolieren nicht hinaus! Die ersten Beileidbekundungen sind die wertvollsten, da alle Trauernden sich nach Beistand und Trost sehnen. Jeder möchte wissen, dass auch andere den geliebten Menschen vermissen und angesichts seines Dahinscheidens Schmerz empfinden.

 

Rufen Sie sich die Zeit in Erinnerung, als Sie selbst einen geliebten Menschen verloren hatten: Wie ging es Ihnen in den ersten Tagen nach dem traurigen Ereignis? Was hat Ihnen geholfen, darüber hinwegzukommen? Welche Worte spendeten Ihnen Trost?

 

Verzweifeln Sie nicht, reagieren Sie!

 

Wenn jemand gestorben ist, sollten Sie nicht verzweifeln, sondern reagieren. Die größten Fehler sind:

 

  1. Gar nicht reagieren: Lassen Sie die Hinterbliebenen nicht mit ihrer Trauer und in ihrem Schmerz allein.
  2. Zu spät reagieren: Wenn Sie Ihre Beileidbekundung allzu lange herauszögern, werden die Hinterbliebenen enttäuscht sein: Sie warten auf eine teilnahmsvolle Reaktion von Ihnen.
  3. Übertreiben: Verzichten Sie auf jegliche Theatralik. Sie würden die Hinterbliebenen nur depressiv stimmen, statt sie zu trösten. Ihre Bekundung sollte mitfühlend, doch nicht herzzerreißend formuliert sein.
  4. Standardisierte Beileidbekundungen: Verstecken Sie sich nicht hinter Floskeln wie "... möchten wir Ihnen zum Tod Ihrer Frau unser Beileid bekunden". Formulieren Sie Ihre Gefühle - mit eigenen Worten!

Achten Sie bei Kondolenzschreiben auf die äußere Form!

 

Ihr Kondolenzbrief beginnt nicht erst mit dem Schreiben. Nicht nur auf den Inhalt, auch auf die äußere Form eines Beileidschreibens sollten Sie größte Sorgfalt verwenden. Beachten Sie daher folgendes:

 

  • Verzichten Sie auf Papier und Kuvert mit schwarzem Rand. Diese Form bleibt ausschließlich den Angehörigen vorbehalten.
  • Verwenden Sie kein Fensterkuvert und auch kein Kuvert mit farbigem Futter!
  • Benutzen Sie keine Frankiermaschine, sondern machen Sie den Umschlag mit einer Briefmarke frei.
  • Auf den Briefbogen gehört keine Anschrift! Sie dürfen auch keine Betreffzeile einfügen.
  • Schreiben Sie in der Adresse nicht "An das Trauerhaus". Nennen Sie den Empfänger beim Namen.
  • Verfassen Sie Ihren Brief auf jeden Fall handschriftlich. Ein per Schreibmaschine oder PC verfasster Kondolenzbrief, selbst wenn Sie ihn persönlich unterzeichnen, ist in keinem Fall angebracht!
  • Schreiben Sie mit schwarzem Stift auf weißem Papier.
  • Senden Sie Ihr Kondolenzschreiben so schnell wie möglich ab!

Kein schwarzer Rand!


Vermeiden Sie Fettnäpfchen bei Trauerfällen, wenn folgende Frage ansteht: Welches ist das richtige Briefpapier für einen Kondolenz-Brief? Das Sortiment, das in vielen Papierwarengeschäften und entsprechenden Abteilungen großer Kaufhäuser angeboten wird, ist es jedenfalls nicht: Es besteht aus weißen Karten und enthält Bögen und Umschläge mit schwarzem Rand. Verwenden Sie diese bitte nicht! Kondolenzschreiben werden auf schlicht weißem Papier versendet. Der schwarze Rand bleibt den Drucksachen vorbehalten, die aus dem Trauerhaus verschickt werden.

Beileid im geschäftlichen Umfeld

Für Beileidschreiben im Berufsleben gibt es ebenfalls feste Regeln.

 

  • Beileidbriefe anlässlich des Todes eines Mitarbeiters oder Geschäftspartners müssen grundsätzlich handschriftlich verfasst werden.
  • Kondolenzkarten sind ebenso verpönt wie schwarz umrandetes Briefpapier und frei gestempelte Umschläge.
  • Schreiben Sie Ihren Beileidbrief auf einem hochwertigen, neutralen Briefbogen. Geeignet ist in der Regel die zweite Seite Ihres Firmenbriefpapiers, auf der in keinem Fall die Bankverbindung aufgedruckt sein darf! Ist eine solche Seite nicht vorhanden, wählen Sie unbedrucktes Papier.
  • Wichtig ist auch der richtige Zeitpunkt: Warten Sie zu lange mit Ihrem Kondolenzbrief, reißen Sie mühsam heilende Wunden wieder auf.

 

Auch für Minister und Präsidenten gilt: Stets eigenhändig unterschreiben!

 

Donald Rumsfeld beging, als er noch Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten war, eine ausgeprägte Taktlosigkeit: Er ließ Kondolenzschreiben an Angehörige von Soldaten, die in Afghanistan und im Irak gefallenen waren, maschinell erstellen - sogar ohne sie noch einmal zu unterschreiben! Dafür wurde er, wen wundert's, selbst von Parteifreunden hart kritisiert. So wies der republikanische Abgeordnete Chuck Hagel ausdrücklich darauf hin, dass Präsident George W. Bush derartige Schreiben stets eigenhändig unterzeichne. Rumsfeld änderte später die Praxis. Da war sein Ruf freilich durch Affären und weitere Fauxpas schon reichlich beschädigt! George W Bushs Nachfolger Barack Obama geriet ebenfalls in die Kritik, weil er Beileidschreiben nicht handsigniert hatte. Mit seinem neuen Verteidigungsminister wird ihm das wohl nicht mehr passieren. Obwohl er aus dem gegnerischen politischen Lager stammt, berief der demokratische Präsident Chuck Hagel in dieses Amt.

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Was zeichnet einen guten Kondolenzbrief aus?

Ein aufrichtiges, Trost spendendes Beileidschreiben würdigt die verstorbene Person und ist individuell formuliert. Durchhalteparolen im Stil von "Kopf hoch" und "Wird schon wieder" sind unpassend und viel zu banal, um den Trauernden zu erreichen. Es ist völlig normal, dass der Hinterbliebene zuerst an seinem Schmerz festhält: Die Trauer ist eine Möglichkeit, intensiv mit dem geliebten Menschen in Kontakt zu bleiben.

 

Das Ziel eines Kondolenzbriefs kann nicht sein, die verlassene Person von ihrem Schmerz zu befreien - sondern sie in ihrer Trauer zu begleiten, sich solidarisch zu zeigen, sich ein Stück weit auf ihren Abschiedsschmerz einzulassen. Ein guter Brief erfordert eine Investition - von Mitgefühl. Versetzen Sie sich in die Lage des trauernden Menschen: Wenn Sie nicht mitfühlen, wird es Ihnen auch nicht gelingen, den Adressaten mit Ihren Worten zu erreichen.

 

Berücksichtigen Sie den Trauernden und Ihre Beziehung zu ihm. Inhalte für einen Brief sind etwa die Würdigung des Verstorbenen, Erinnerungen an mit dem Verstorbenen Erlebtes, die Schilderung eigener Gefühle, der Ausdruck tiefer Betroffenheit, das Hinweghelfen über den Schock oder auch der Blick nach vorn.

 

Wie Sie Ihr Beileidschreiben aufbauen

 

Bauen sie Ihren Kondolenzbrief in 7 Schritte auf:


  1. Schreiben Sie mehr als nur "Aufrichtige Anteilnahme zum Tod ...".
  2. Leiten Sie Ihren Brief mit "Lieber" oder "Liebe" ein. Wer einen nahen Menschen verloren hat, ist dankbar für jedes warme Wort.
  3. Schildern Sie kurz die positiven Seiten des oder der Verstorbenen.
  4. Sprechen Sie die Erinnerung der lesenden Person an schöne Stunden an. Das weckt positive Gefühle.
  5. Schildern Sie den Verlust, den auch Sie erleiden. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
  6. Nutzen Sie die Betreffzeile für einen Psalm oder auch einen schönen Spruch. Setzen Sie aber Zitate nur sparsam ein. Sie klingen manchmal absurd.
  7. Beenden Sie Ihren Brief keinesfalls formell "mit freundlichen Grüßen", sondern drücken Sie Ihr Mitgefühl nochmals aus.

Der schwierige Einstieg: Wie beginnen Sie den Kondolenzbrief?

Einen taktvollen Anfang im Beileidschreiben zu finden, erleichtert Ihnen ein vorangestelltes Zitat. Es sollte kurz und prägnant sein und die Richtung vorgeben: "Niemand ist fort, den man liebt; Liebe ist ewige Gegenwart." Der Satz stammt von Stefan Zweig. Er eignet sich für Briefe, in denen Sie die Erinnerung an die verstorbene Person aufrechterhalten möchten.

 

  • Verzichten Sie auf standardisierte Beileidbekundungen. Fürchten Sie sich lieber vor Floskeln als vor dem Zeigen von Gefühlen!
  • Haben Sie keine Scheu, Ihre Empfindungen aufrichtig zu schildern, und tun Sie dies mit eigenen Worten!
  • Beginnen Sie Ihr Schreiben mit "Lieber" oder "Liebe"
  • Sagen Sie in einfacher, natürlicher Sprache, dass Sie die verstorbene Person mochten und den Verlust als schmerzlich empfinden. Ein Beispiel: "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass dein lieber Vater so plötzlich gestorben ist. Ich sehe ihn noch vor mir, wie …" Damit hätten Sie einen gelungenen Einstieg in Ihr Beileidsschreiben.
  • Stehen Sie den Hinterbliebenen nicht so nahe, wählen Sie einen anderen Einstieg: "Gestern habe ich vom Unfalltod Ihres Sohnes erfahren. Ich kann mir vorstellen, was für ein Schock diese Nachricht für Sie war. Ich bin selbst bestürzt."

 

"Aufrichtige Anteilnahme" und "Herzliches Beileid"?

 

Wie finden Sie die richtigen Worte gegenüber trauernden Hinterbliebenen? Sind Formulierungen wie "Aufrichtige Anteilnahme" und "Herzliches Beileid" noch angemessen?

  • "Aufrichtige Anteilnahme" und "Herzliches Beileid": Das sind die üblichen Äußerungen. Sie sind auf Trauerkarten gedruckt und können auch mündlich verwendet werden. Nachteil: Mancher empfindet sie als Floskeln.
  • "Das tut mir Leid": Dieser - eher umgangssprachliche - Satz mag sich etwas schwach anhören, aber er ist authentisch. Schließen Sie ihn an die Information darüber an, wie Sie die Todesnachricht erfahren haben: von einem Freund oder Bekannten, durch die Anzeige in der Zeitung.
  • "Mir fehlen die Worte": Wenn Ihnen wirklich die Worte fehlen, hört sich das für die Hinterbliebenen echt an. Ihnen geht es womöglich nicht anders. Und was gibt es im Angesicht des Todes schon groß zu kommentieren?

 

Im Brieftext: Persönliche Worte statt Standardformulierungen

 

Persönliche Worte trösten mehr als Standardformulierungen. Haben Sie also keine Scheu, Ihre Gefühle aufrichtig zu schildern - mit einfachen Worten statt geschraubten Formulierungen.

 

Im Mittelteil Ihres Beileidsschreibens schildern Sie, wie Sie den Verstorbenen erlebt haben. Sagen Sie, dass Sie die verstorbene Person mochten und den Verlust als schmerzlich empfinden.

 

Ein Beispiel:

  • "Auch wenn ich wenig tun kann, um Ihren Schmerz zu lindern, so möchte ich Sie doch wissen lassen, dass ich an Ihrer Trauer Anteil nehme."

Das stilvolle Ende Ihres Kondolenzbriefs

Ihren Beileidbrief beenden Sie in angemessener Weise, indem Sie den Angehörigen viel Kraft wünschen, die Zeit der Trauer durchzustehen.


Ein Beispiel für den Ausstieg: "Ich wünsche Ihnen viel Kraft, die Zeit der Trauer durchzustehen, aber auch den Mut, sich bald wieder auf das Schöne zurückzubesinnen, das Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn erleben durften."

 

Als Grußformeln bieten sich "Mein herzliches Beileid", "In tiefer Verbundenheit" oder "Mit stillem Gruß" an.

 

Überprüfen Sie abschließend noch einmal den Inhalt!

 

Bei der Wahl der Worte für Ihren Kondolenzbrief sollten Sie sehr sorgfältig sein. Beantworten Sie sich vor dem Absenden Ihres Schreibens gründlich die folgenden Fragen:


  • Kommt Ihr Kondolenzbrief wirklich von Herzen? Bringt er Ihre Gefühle zum Ausdruck? Oder erscheint er den Adressaten doch eher wie das Produkt einer Pflichtübung?
  • Geht aus Ihrem Beileidschreiben hervor, warum der oder die Verstorbene für Sie ein lieber, wertvoller, guter Mensch war?
  • Haben Sie dies auch glaubhaft ausgedrückt? Oder haben Sie in Ihrem Beileid übertrieben?
  • Ist Ihr Beileidschreiben frei von Allerweltsphrasen? Und ist die Sprache in Ihrem Kondolenzbrief nicht vielleicht doch zu pathetisch?

 

Ganz wichtig: Denken Sie nicht nur an Ihren eigenen Verlust. Thematisieren Sie auch den Verlust, den der Tod für die Angehörigen oder für die Hinterbliebenen bedeutet!

 

 

Manchmal steckt der Teufel im Detail!

Manchmal denkt man sich bei gewissen Sätzen nichts Schlimmes.

 

Ein Beispiel: Sie schreiben in Ihrem Kondolenzbrief zum Tode einer Tochter den Eltern: "Ich wünsche Ihnen viel Kraft, die Zeit der Trauer durchzustehen."

 

Sprechen Sie in diesem Zusammenhang bitte nicht von einer "Zeit der Trauer"! Die wird, nachdem das eigene Kind gestorben ist, für die Eltern niemals vorbei gehen. Sie müssen andere Worte finden!

 

Eine Formulierung wie "Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Ihr weiteres Leben ohne Ihre Tochter zu gestalten" wäre in einem solchen Fall angebrachter.

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